Die romantische Liebe im Jahr 2018 und warum so viele daran scheitern

Unterschied zwischen Mann und Frau

Die romantische Liebe im Jahr 2018

Es gibt sowohl äußere Unterschiede zwischen Mann und Frau, wie z.B. die größere Statur des Mannes, die unterschiedliche Verteilung des Fettgewebes, die verschiedenen Geschlechtsorgane. Und es gibt einen biochemischen Unterschied zwischen Mann und Frau. Nämlich die Hormone. Die Hormone machen den biochemischen Unterschied zwischen Mann und Frau. Testesteron –also das männliche Sexualhormon ist etwas ganz anderes als die weiblichen Östradiole. Wir reagieren ganz anders wenn wir unter dem Einfluss von Testesteron stehen oder wenn wir unter dem Einfluss von den Östradiolen stehen.

Es gibt aber auch einen Unterschied zwischen Mann / Mann  und Frau/ Frau. Also die Frau, die dir evetl. jetzt gerade gegenüber sitzt wenn du eine Frau bist, hat einen ganz anderen Hormonhaushalt als du selbst. Genau so ist es bei den Männern.

Der Hormonspiegel ist nicht nur bei jedem einzelnen unterschiedlich, er ist auch in bestimmten Situationen unterschiedlich.

Er ändert sich im Laufe des Lebens, d.h. wir haben mit 20 Jahren einen anderen Hormonhaushalt als mit 50 und mit 80 Jahren. Wieviel wir im Laufe des Lebens an Sexualhormonen produzieren ist bereits bei unserer Geburt schon angeboren, so wie es bereits bei Geburt angeboren ist, wie groß wir einmal werden, ob wir breitschultrig werden und ob unsere Haare blond, braun oder schwarz werden. Natürlich haben wir bei der Geburt nicht bereits alle Sexualhormone am Start, aber es ist bereits angelegt, wie viel da mal kommt.

Das ist die schlechte Nachricht. Aber es gibt auch eine gute Nachricht.

Dafür gibt es Untersuchungen bei Pawianen. Man wollte herausfinden, wer wird denn eigentlich Chef da oben auf dem Felsen? Wahrscheinlich denkst du jetzt, es ist der mit dem meisten Testesteron- das ist falsch. Beim Affen wie auch beim Menschen ist das nicht so.

Beim Affen ist es recht simpel- das ausschlaggebende Element ist die Kraft. Der stärkste Pawian wird Chef. Die Forscher fanden weiter heraus, dass in dem Moment, wo der Pawian nun Chef auf seinem Hügel wird, er das 10fache an Testesteron produziert. Und das ist beim Menschen sehr ähnlich. Das fatale an diesem Testesteroncocktail ist, das Testesteron in hohen Dosen giftig ist. Es vernebelt den Verstand. Die Wissenschaftler fanden weiter heraus, dass allerdings die Chefs bei den Primaten die Dümmsten einer Gemeinschaft sind. Wenn sie dann den obersten Posten erreicht haben ist es ihre einzige Aufgabe, dass sie dafür sorgen, dass kein anderer oberster Boss wird. Wenn man sich nun einmal die allg. Weltmacht anschaut, sieht man durchaus Parallelen zum Testesteron gesteuerten Männchen beim höchstgebildesten Lebewesen – dem Menschen.

Warum ist das nun so?

Die Biologie erklärt den hormonellen Unterschied zwischen Mann und Frau damit, dass wir unterschiedliche biologische Aufträge haben. Biologisch betrachtet besteht der Sinn unseres Lebens darin, dass wir unsere Gene so gut wie möglich verteilen. Wir wollen unsterblich werden durch die Weitergabe unserer Gene. Dazu haben Männer sehr viele Gelegenheiten. Sie könnten rein theoretisch 20-30.000 Kinder zeugen. Deswegen besteht der biologische Auftrag des Mannes aus Sicht der Biologie darin, jedes junge, gesunde, attraktive Weibchen mit günstiger Fettpolsterverteilung zu schwängern. Kein Mann tut dies- doch manche lauern darauf, jedes junge, attraktive, gesunde Weibchen mit günstiger Fettpolsterverteilung ins Bett zu bekommen. Doch heute achten sie sehr genau darauf, dass sie sich nicht vermehren!

Nun stellt sich doch die Frage, was ist der Sinn einer evolutionären Strategie, die sich selbst um die Früchte ihres Erfolges bringt? Irgendetwas stimmt da doch nicht.

Das könnte daran liegen, dass Menschen nicht nur einfach biologisch funktionieren.

Wie verhält es sich jetzt bei den Frauen? Frauen haben in der Regel nur 16 Mal die Möglichkeit, Kinder zu bekommen. Mehr können sie nicht gebären. Sie müssen alles versuchen, dass sie das für sie genetisch optimale Männchen finden. Wie sieht dieses Männchen nun aus? Nach Ansicht der Biologen steht jede normale Frau auf einen Mann mit viel Testesteron. Auf einen großen Mann, auf einen breitschultrigen Mann, auf einen Mann mit dichten Augenbrauen und stark ausgeprägtem Kinn, der in einer Machtposition auch noch Reichtum generiert. Kurz gesagt auf einen Silberrücken.

Diese Männer sind aber für die Brutpflege nicht geeignet. Das wissen die Frauen auch. Also müssen sie ein anderes Männchen an sich binden, eines das weniger Testesteron hat- einen NETTEN also. Das Problem besteht nun darin, dass sie weder mit dem Einen noch mit dem Anderen langfristig glücklich werden. Und deswegen sind Frauen dazu geboren, an ihren Männern rumzunörgeln und unglücklich zu sein.

Soweit die biologische Theorie.

Woher kommt nun der Zusammenhang von Sexualität und Liebe, wenn sie biologisch doch eigentlich totaler Blödsinn ist?

Biologisch gesehen ist es totaler Blödsinn, dass der Mann nicht fremdgeht. BIOLOGISCH gesehen.

Nun ist es zum Glück so, dass der Mensch biologisch gesehen ganz viele blödsinnige Sachen macht. Er kann musizieren, er kann philosophieren, er kann an Gott glauben. Biologisch gesehen, hat er dadurch keinen Vorteil fürs Leben. Dennoch tragen diese Dinge zu unserer Kultur bei. Sie machen unser Leben lebenswert. Wir haben sie im Laufe unserer Evolution wie einen Rucksack mitgeschleppt und heute gehören sie wie selbstverständlich zum Leben dazu.

Was, wenn auch die Liebe ein solches Mitbringsel ist- biologisch gesehen totaler Unsinn aber prägend für unseren kulturellen Alltag?

Da Menschen intelligente, sensible und emotionale Lebewesen sind können sie all diese schönen Sachen wie musizieren, an Gott glauben und eben auch lieben.

Wenn wir klein sind, schenkt uns unsere Mutter und seit nun fast schon 40 Jahren auch die Väter- ein ganz inniges Band aus Geborgenheit und Aufregung. Wir haben dann ein ganz inniges Verhältnis im Regelfall. Wenn es nicht psychotisch gestört ist. Normaler Weise lieben Mütter ihre Kinder und Kinder lieben ihre Mütter und seit neuestem auch ihre Väter- was vor 100 Jahren noch nicht so war. Diese Liebe ist biologisch sinnvoll. Die Brutpflegeliebe ist sinnvoll und gibt es auch bei den Tieren. Manchmal ist die Verbindung der Mutter zum Kind so stark ausgeprägt, dass sie sogar ihr eigenes Leben in Gefahr bringt, um das Leben des Kindes/ der Kinder zu schützen. Die romantische Liebe gibt es nicht bei den Tieren- aber die innige Verbindung ist auch dort sehr stark angesiedelt.

Nun gibt es aber folgendes Problem. Wir erfahren am Anfang des Lebens diese tiefe innige Verbindung. Wenn wir dann aber in die Pubertät kommen, löst sich diese innige Verbindung auf , nicht ganz, aber schon sehr stark. Waren Eltern bis dahin diejenigen die für Geborgenheit und Aufregung sorgten, sind sie uns als Teenie mit dem Kuss auf die Stirn peinlich und nerven mit ihrer Animation mega. Das intuitive Band der Geborgenheit und der Aufregung löst sich langsam auf.

Nun ist es so, dass just in diesem Moment, wo dieses Band schwächer wird, wir anfangen uns geschlechtlich zu verlieben. Das wäre dann wie die Projektion eines Bedürfnisses was durch die Eltern nicht mehr abgedeckt werden kann, auf die Geschlechtligkeit eines Partners. Dann wäre die Liebe eine Umleitung einer Eltern- Kind- Bindung auf einen geschlechtlichen Partner. Und von diesem geschlechtlichen Partner wünsche ich mir dann Aufregung in Form von Sex und Geborgenheit in Form von Liebe, alles in einer Person, wenn möglich ein Leben lang. Das ist unsere Vorstellung von romantischer Liebe. Und leider ist das genau das Problem, denn aus biochemischen Gründen geht das nicht.

Das Gefühl der Sicherheit, des sich geborgen fühlen, des vertrauen ist sehr stark an das Hormon Serotonin gebunden. Serotonin sorgt für innere Ruhe und Gelassenheit.

Das Gefühl der Aufregung, der Leidenschaft, der Erregung ist sehr stark an den biochemischen Stoff Dopamin gebunden.

Nun sind Serotonin und Dopamin aber Antagonisten, d.h sie sind Gegenspieler. Wenn also der Spiegel des Serotonin oben ist, ist der Spiegel des Dopamin normaler Weise unten und umgekehrt.

Wenn also die einzelnen Stoffe sich gegeneinander abwechseln, ist die logische Konsequenz daraus, dass wir entweder im Zustand der Aufregung sind oder der Geborgenheit.

Es gibt eine Phase im Leben in der wir Menschen es schaffen, diese beiden Spiegel gleichzeitig aufrechtzuerhalten. Entweder wenn wir sehr viel Alkohol trinken, dann sind sowohl Serotonin als auch Dopamin gleich stark ausgeprägt, was man besonders gut jedes Jahr beim Kölner Karneval sehen kann. Alle sind miteinander eng verbunden, jeder fühlt sich in der Veedelskneipe geborgen und die Stimmung ist laut und energiegeladen. Nur halten diese Gefühle nicht länger an als der Alkoholspiegel die Funktion beider Stoffe auf das selbe Niveau hält.

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit Serotonin und Dopamin- also Aufregung und Geborgenheit über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten und das ist, wenn wir verliebt sind. Das ganze aber maximal über einen Zeitraum von 3- bis maximal 4 Jahre. Danach ist Schluss. Dafür verantwortlich ist das Hormon Phenethylamin. Auch als Glückshormon bekannt. Wenn wir also unter dem Einfluss von Phenethylamin stehen nennt man das auch Verliebtheit.

Nun stellt sich die Frage, warum diese Ausschüttung von Phenethylamin nicht länger als 3-4 Jahre anhält. Weil wir dann alle verblöden würden. Denn jeder von uns kennt Menschen und wie sie auf uns wirken, wenn sie verliebt sind. Die Freundin, die den Typen mitbringt, wo wir denken: „ Oh nee, nicht schon wieder so einen“ und sie selbst sagt: „ Ach alles toll. So schön. Großartig“ und man selbst verscuht, sie davon zu überzeigen, dass das alles totaler Blödsinn ist. Wenn dann nach 2 Jahren Schluss ist kommt dann ganz sicher der Vorwurf der Freundin: „ Ja man, warum hast du das mir denn nicht gleich gesagt…“ und wir uns allen Ernstes fragen: „ Wo waren ihre Sinne damals? „ Vernebelt. Total im Rausch. Wenn wir verliebt sind, sehen wir die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen alles durch die sog. Rosarote Brille.

Die selben Sachen, die wir am Anfang bei unserem Partner toll fanden, können wir nach ein paar Jahren kaum noch ertragen. Und dafür verantwortlich ist das Nachlassen des Stoffes Phenethylamin kurz auch PEA genannt. Übrigens kommt PEA auch in kleinen Mengen in Schokolade vor, was die glücksbringende erregende Wirkung erklärt.

Nun stellt sich doch die Frage warum wir in einer Kultur leben, wo dieser Rauschzustand ein Leben lang halten soll, also eine Liebe die aufgrund dieses hohen Spiegels an PEA stattfindet?

Das ist die Idee der romantischen Liebe; „So wie am Anfang“ höre ich von ganz vielen Paartherapeuten ist das prägende Bedürfnis ihrer Klienten. Wenn nun das PEA nachlässt, kommt es- bewusst oder unbewusst zu zwei Lagern in der Partnerschaftsliga. Einmal die Serotonin Paare, die sich super verstehen, wo ganz viel Geborgenheit herrscht, die aber meist nach ein paar Jahren keinen Sex mehr haben. Oder die Dopaminpaare, die sich ständig zoffen, wo immer Stress ist, wo aber der Sex immer noch aufregend ist. Die sich im Leben nicht so gut verstehen, wo aber der Sex dauerhaft gut ist.

Dopamin vs. Serotonin

Diese beiden Lager sind nun in 2018 unser ganz großes Problem. Weil wir mit den Augen der romantischen Liebe auf unser Leben schauen und auf die Bewertung unserer Partnerschaft. Als die romantische Liebe erfunden wurde und das ist noch nicht all zu lange her- im 18. Jahrhundert, entstand dieses Gefühl aus einer Traumvorstellung heraus. Die chemische Ausschüttung von PEA gab es damals schon, aber nicht die gedankliche Vorstellung, wie es denn aussähe, wenn. So verliebte sich auch damals schon das Bauersmädchen in den edlen Grafen, bis sie nach Hause kam und der Vater sagte: „ Du spinnst.“ Es gab so gut wie keine Liebesheirat damals. Die Menschen wurden aus wirtschaftlichem Interesse miteinander verbunden und nur in der Phantasie der damaligen Zeit wurden Liebesromane geschrieben, die den Menschen damals helfen sollte, sich in eine fiktive Welt zu träumen- quasi als Kompensation all dessen, was sie nicht hatten. Das Leben innerhalb einer Ehe war zum Zeitpunkt, als das Bild der romantischen Liebe entstand, ein Überlebensvehikel, damit das, was Mann/ Frau im Alltag erlebten, überhaupt funktionieren konnte. Die Menschen träumten sich weg. Und so entstand langsam das immer größer werdende Bild der romantischen Liebe, die sich bis ins neue Jahrtausend vorgewagt hat. Und an der die meisten Menschen heute zerbrechen. Die Erwartungen, die an das Bild der romantischen Liebe geknüpft werden, sind entstanden aus einem Wunschbild. Noch am Anfang des 20. Jahrhunderts war es eher selten, dass aus Liebe geheiratet wurde. Und erst recht nicht aus Mangel an Liebe sich wieder geschieden wurde. Erst seit den Reformen der 60er Jahre ist es als Frau möglich, mich von einem Mann wieder scheiden zu lassen. Und heute machen viele Menschen davon sehr viel Gebrauch.

Aus zweierlei Gründen. Da sind die Phenethylaminjunkies, ob die verheiratet sind oder nicht- wenn da nach 3 Jahren Schluss ist, muss was Neues her. Wir haben in unserer marktwirtschaftlichen Gesellschaft nicht nur ein kapitalistisches Verhältnis zum Geld sondern auch zu unseren Gefühlen. Wir investieren in eine Partnerschaft und wir wollen optimale Erträge. Und wenn wir nicht genug bekommen oder das Gefühl haben, unser Kapital wäre woanders besser angelegt, sind wir auch gerne bereit es wieder abzuziehen und es woanders wieder anzulegen. In einer Gesellschaft, die auf Lustgewinnung aus ist, ist dies normal.

Es muss doch nun eine Möglichkeit geben, wie man es nun schafft, dennoch ein Leben lang zusammen zu bleiben. Wenn das schon mit der romantischen Liebe nicht klappt, wie kann ein Paar es nun dennoch schaffen?

Da gibt es eine relativ einfache Faustregel:

Wenn ein Paar vom Temperament sehr unterschiedlich ist und von den Zielen und Interessen sehr ähnlich hat es eine große Chance, ein Leben lang zusammen zu bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

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